Zu gut für die Tonne – macht das Mindesthaltbarkeitsdatum wirklich einen Unterschied?

Verfalls- und Mindesthaltsbarkeitsdatum Verständnis

Mangelhaft versus Menschenverstand?

Eurobarometer ist eine von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Umfrage, in der in regelmäßigen Abständen etwa 1,000 Menschen pro EU-Land mit Standardfragen als auch Fragen zu einem bestimmtem Thema (oft telefonisch) interviewed werden.

Flash Eurobarometer 425 wurde  zum Thema Lebensmittelverschwendung und Datumverständnis (Food Waste and Date Marking) in Österreich (sowie allen anderen EU-Ländern) zwischen dem 31.08.2015 und 02.09.2015 durchgeführt.

Und was solche Interviews oder Umfragen bringen oder wie man sie interpretieren kann oder was sie über uns aussagen, erfahrt ihr in diesem Artikel.

 

Ergebnisse für Österreich vom EU Barometer in Bezug auf Lebensmittel-Datenmarkierung

Laut Eurobarometer Food Waste and Date Marking schauen 47% immer und 29% oft auf das Verfallsdatum – und Mindesthaltsbarkeitsdatum (MHD).

Jedoch, wenn genauer nachgefragt, ob sie denn das MHD verstehen, antworteten nur 46% der österreichischen Teilnehmer mit der korrekten Antwort. 45% machten es vom Lebensmittel selbst abhängig.

best by, mindestens haltbar bisDie Frage lautete i.e., „Was glaubst du, was das MHD auf einer Packung bedeutet?“

  • das Lebensmittel kann nach diesem Datum gegessen werden, allerdings wird es nicht mehr der besten Qualität entsprechen (45% gaben die korrekte Antwort; EU Durchschnitt 47%)
  • das Lebensmittel kann ohne weiteres bis zu diesem Datum gegessen werden, aber nicht danach (8% gaben die Antwort, EU Durschschnitt 24%)
  • es ist vom Lebensmittel abhängig (45% gaben die Antwort, EU Durchschnitt 25%)
  • (der Rest wählte entweder „weiß ich nicht“ oder „keine von denen“)

 

Beim Zu Verbrauchen Bis Datum, also dem Verfallsdatum, was eigentlich viel wichtiger ist, antworteten nur 14% der Österreich korrekt, während 50% es vom Lebensmittel selbst abhängig machen.

food waste, best if used byDie Frage lautete i.e., „Was glaubst du, was das Zu Verbrauchen Bis Datum auf einer Packung bedeutet?“

  • das Lebensmittel kann nach diesem Datum gegessen werden, allerdings wird es nicht mehr der besten Qualität entsprechen (33% gaben die Antwort; EU Durchschnitt 28%)
  • das Lebensmittel kann ohne weiteres bis zu diesem Datum gegessen werden, aber nicht danach (14% gaben die korrekte Antwort, EU Durschschnitt 40%)
  • es ist vom Lebensmittel abhängig (50% gaben die Antwort, EU Durchschnitt 28%)
  • (der Rest wählte entweder „weiß ich nicht“ oder „keine von denen“)

Ist das gut oder schlecht?

Datenkenntnis oder Menschenverstand?

Nun, man könnte argumentieren, dass fast 50% der Umfragebeteiligten die Entscheidung, ein Lebensmittel zu konsumieren vom Lebensmittel selbst und nicht dem Verfalls- (zu verbrauchen bis) oder dem Mindesthaltsbarkeitsdatum abhängig macht. D.h., sie nutzen ihren Menschenverstand.

Man könnte die Antwort „es ist abhängig vom Lebensmittel“ allerdings auch als „schau ma mal“ interpretieren, aka – keine Ahnung aber ich schau mal wie’s ausschaut und entscheide weiter. Denn „ist abhängig vom Lebensmittel“ klingt jedenfalls besser als „weiß ich nicht“. Zumal ein Großteil der Beteiligten ja die zwei Daten eh nicht wirklich versteht.

 

Fakt ist, 1000 Umfrageteilnehmer aus Österreich haben ein mangelhaftes Verständnis von dem Zu Verbrauchen Bis Datum und dem Mindesthaltbarkeitsdatum und liegen damit sogar unter dem EU- Durchschnitt.

 

mindesthaltbarkeitsdatum, verfallsdatum, lebensmittelVielleicht liegt es auch daran, dass manche Produkt-Packungen beide Daten angeben? Was natürlich irreführend ist. Wie kann etwas mindestens (nicht höchstens!) so lange halten aber zugleich, bei gleicher Lagerung, ablaufen? (außer falls es in der Schweiz andere Regeln gibt?!?)

 

Für mich stellt sich allerdings die Frage:

Lebenmittelverschwendung und Datenmarkierung –

ist das eine wirklich vom anderen abhängig?

 

Zu gut für die Tonne

Es wird oftmals argumentiert, dass Menschen Lebensmittel entsorgen, die

  • das Mindesthaltsbarkeitsdatum (auch wenn nur knapp) überschritten haben
  • (und somit) eigentlich noch genießbar wären
  • sie fälschlicherweise, da sie die Bedeutung des Datums nicht verstehen, als nicht länger essbar einstufen

Jedoch…….

welche Lebensmittel landen wirklich auf dem Müll?

 

Hast du schon einmal geschaut, was denn eigentlich weggeworfen wird?

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Obst, Gemüse, Salate, Brot, Wurst und andersweitige frische Lebensmittel.

 

Ich sehe ganz selten, eigentlich fast nie Kekspackungen, Chips, Süßes, Pizza, Dosenkonserven, Pasta, Reis oder sonstige solcher verarbeiteten Lebensmittel. Mitunder sieht man Joghurt oder vielleicht Käse.

 

Lebensmittel ohne Datenmarkierung, wie frisches Obst und Gemüse und Brot landen viel eher in der Tonne

Gründe für Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelverschwendung durch Pläne mit Freunden oder andersweitige soziale Ablenkung?

Liegt die „zu gut für die Tonne“ Lebensmittelverschwendung wirklich an der Datenmarkierung oder vielleicht nicht doch eher daran, dass wir guten Gewissens einkaufen und uns gesund ernähren wollen, allerdings das Leben uns einen Strich durch die Rechnung macht?

Aus geplantem selbstkochtem Abendessen und dem Salat oder Obst für’s Büro wird dann doch nichts, weil man sich entweder mit Freunden zu Abend trifft, länger im Büro verharrt, andere soziale Einladungen wahrnimmt, mit Süßem von Arbeitskollegen als Snacks versorgt wird und und und. Und somit bleibt das Gemüse und Obst liegen und wartet für immer und ewig darauf gegessen zu werden.

 

Lebensmittelverschwendung durch falsche Lagerung?

obstschaleWieviele Menschen kennst du, die eine Obstschale haben oder wo das Gemüse in der Gemüsekiste verweilt, oftmals aus dem Augen aus dem Sinn? Ich kenne sehr (!) viele.

Davon einmal ganz abgesehen, dass gewisse Obstsorten zusammengelagert den Reifungsprozess beschleunigen.

Und wenn ich nachfrage, warum denn die Banane nicht im Kühlschrank liegt höre ich entweder

  • im Laden wird sie ja auch nicht kühl aufbewahrt oder
  • ich mag kein kaltes Obst

Dass eine Banane, wie alle anderen Obstsorten, allerdings länger im Kühlschrank frisch bleibt und nicht so schnell reift (vor allem wenn man das Ende mit einem Klebeband versiegelt, also die Stelle, an der alle Bananen zusammenhängen) vergessen viele.

Genauso steht’s ums Gemüse. Ich rate natürlich nicht, dass man Zwiebeln, Knoblauch oder Kartoffeln oder vielleicht auch Tomaten im Kühlschrank aufbewahrt (das ist ein komplettes No-Go), aber alle andere Gemüsesorten können und sollten, vor allem im Sommer, im Kühlschrank aufbewahrt werden.

 

Gesunde Ernährung ohne Lebensmittelverschwendung

Nun, man könnte die Frage in den Raum stellen, warum Menschen denn immer wieder Lebensmittel einkaufen, die dann doch oftmals in der Tonne landen.

Vielleicht, wie schon erwähnt, liegt’s am Wunsch, sich gesund zu ernähren.

 

Lösungen gegen Lebensmittelverschwendung:

  • Lebensmittel besser lagern

 

  • Einfrieren wenn man merkt, dass man anstatt des eigenen Abendbrotes zu Abend außer Haus isst oder aber das Abendessen für den nächsten Tag planen

 

  • Am Anfang der Woche, die gesunden Snacks für die ganze Woche mit ins Büro nehmen, sprich einen Behälter mit Obst, Gemüse, Joghurt u.ä. und dann darauf wie geplant, anstatt dem Süßen der Arbeitskolleginnen zurückgreifen.

 

  • Am Wochenende, wenn zu viel frische Lebensmittel zu Hause sind, die weg müssen, größere Portionen kochen und Freunde einladen oder aber einzeln einfrieren oder einzeln aufbewahren, denn das Stir-fry Gemüse lässt sich leicht mit einem Rührei zu einer zweiten Mahlzeit verarbeiten, die Pasta ohne Sauce lässt sich einfach zu einem überbackenem Pastagericht oder in der Pfanne mit Schinken, Käse oder Ei verzaubern,….. (nur wenige von uns wollen wirklich genau das Gleiche 2-3 mal essen.) Left- over Reis oder sonstiges Getreide läßt sich (sofern man es pur lagert ohne Soße o.ä.) zu Frühstücksbrei benutzen, ähnlich zu Haferflocken.

 

  • Weniger einkaufen. Nun, ich will niemandem vom Einkauf gesunder Lebensmittel abhalten aber ich bin ein Fan von kleinen Einkäufen. Kauf nur das, was du wirklich brauchst. Das mag zwar bedeuten, dass du alle 2-3 Tage zum Supermarkt oder Diskounter musst aber somit wirft du wenigstens nichts weg und du bekommt immer frische Ware.

 

  • Und vielleicht am wichtigsten, eine Einkaufliste machen mit den Sachen, die du wirklich benötigst.

 

Welche Lebensmittel wirfst du regelmäßig weg?

Was sind die Gründe?

  • Weil in dem Moment, die gefrorene Pizza oder Packung Kekse besser ausschaut, als das Gemüse, dass du noch verarbeiten müsstest oder die Kiwis, die schon seit Wochen in der Obstschale liegen?
  • Warum hast du die Kiwis gekauft?
    Warum hast du die Pizza gekauft?
  • Mein Tipps, wenn du nichts „ungesundes“ zu Hause hast, dann isst du auch das Gesunde auch wenn die Zubereitung etwas Mühe bereitet…..aber das ist ein Thema für’s nächste Mal.

+

Fazit:

Das Mindesthaltbarkeitsdatum, genau wie das Zu Verbrauchen Bis Datum sind vielleicht kleinere Gründe, warum Österreicher oder Deutsche Lebensmittel wegwerfen.

Lebensmittel, die in der Tonne landen, sind meist die ohne Datenmarkierung, die nicht länger frischen Obst- und Gemüsesorten, Salate und Brote….und es heißt genau diese Verschwendung zu reduzieren.

 

Denn wenn du sie tatsächlich isst, und nicht in die Tonne wirfst, dann

  • bleibst du auch deinen gesunden Ernährungszielen treu,
  • isst weniger aus, was oftmals auch mit einer gesünderen Ernährung einhergeht
  • und konsumierst weniger ungesündere, hoch-verarbeitete Lebensmittel
  • zumal du natürlich unsere Umwelt enorm unterstützt und Geld sparst

 

 

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2 Kommentare

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