Wien – die Stadt der Liebe. Herzschmerz vorprogrammiert

Ja, viele lieben Wien. Und was ist da nicht zu lieben. Die alten Gebäude, die Pferdekutschen, die vielen Straßencafes, die Parkanlagen, das sichere Gefühl, das Flair,……die Vergangenheit, das Nostalgische ist noch jetzt in der Luft.

In der Luft, aber auch, ist Feinstaub, Plastik und Rauch, der  Nebenstromrauch, der von den Zigarettenstümmeln der Raucher kommt – der Passivrauch.

 

Wien, die vielleicht lebenswerteste Stadt Europas wenn’s da nicht das Problem mit dem Rauch gäbe.

Nichts gegen Raucher und nichts gegen Wien, denn Wien ist wirklich eine wunderschöne, für eine Hauptstadt eher ruhige und stressfreie Stadt, in der man Nachts, je nach Bezirk, ohne Sorgen durch die Straßen schlendern kann, in der man die Sonntage stressfrei, ohne Shopping oder sonstige Erledigungen verbringen kann und in der man nicht nur die alten Fassaden, Architekturen, Kunst & Kultur genießen kann, sondern auch auf Grund der urigen Cafès und Pferdekutschen an alte Zeiten erinnert wird.

Trotz all dem Schönen gibt es etwas, etwas sehr störendes, das immer wieder vergessen oder ignoriert oder gar hingenommen wird, auf Kosten unserer Gesundheit und unserer Lebensqualität: der Nebenstromrauch oder auch Passivrauch genannt.

 

Passivrauch: die tägliche Begleitung

In noch keiner entwickelten Stadt wurde ich soo viel Passivrauch ausgesetzt wie in Wien (und ja, der Strom ist schädlicher als der Hauptstromrauch). Und ich habe schon in vielen Städten und Ländern gelebt. Nur in Wien kann ich darauf wetten, dass ich jeden Tag mehrmals, sei es auf dem Weg zum Supermarkt, beim Schlendern durch die Straßen, an der Bim-Haltestelle oder im Park dem Nebenstromrauch von Zigaretten ausgesetzt bin. Ist ja irgendwie auch logisch; es raucht ja etwa jeder Vierte, je nach Altersgruppe sogar jeder dritte! (Von den vielen Touristen im 1. Bezirk ein Mal ganz abgesehen.)

Passivrauch: Supermarkt/Straßen

Auf dem Weg zum Supermarkt weil jemand vor oder neben mir raucht. Das Gleiche gilt natürlich wenn man durch die schönen Straßen oder kleinen Gassen Wien’s schlendert. Da ist auch immer ein Raucher, der genüßlich vor einem rauchend die Straßen entlang spaziert. Er riecht ja nicht was ich rieche! Während er genießt, fühle ich mich gestört.

Und natürlich, wenn man zur Uni will oder mal ins Krankenhaus muss oder den Haupteingang eines öffentlichen Gebäudes nutzen oder mal schnell zum Supermarkt muss, auch da muss man erst durch eine Scharre an Rauchern.

Passivrauch: Öffis

An der Bim- oder Bushaltestelle, weil natürlich da auch immer jemand raucht. Oft natürlich mehrere Personen, so dass es fast unmöglich ist, dem Rauch zu entkommen. Letzten habe ich um 6:30 Uhr auf die Bim gewartet; von 7 anderen Leuten, die auf ihrem Weg zur Arbeit waren, haben 5 geraucht. Toller Start in den Tag, und dass obwohl die Luft in der Früh eigentlich noch frisch, angenehm und kühl roch, wenn’s nicht für die Raucher gewesen wäre.
Schlimm wird’s wenn dann auch noch ein Raucher neben einem im Bus oder der Bim steht, denn der Zigaretten-Geruch ist äußerst penetrant und das ist freundlich ausgedrückt. Zu einem Artikel in der Zeitung Der Standard kommentierte ein Leser (H. Dacher) hingegen,

Raucher stinken wie ein verpisster Sandler in einer unklimatisierten U-Bahn im Sommer

Passivrauch: Park

Im Park wird natürlich auch geraucht.
Und mit etwas Missglück setzt sich auch noch ein Raucher neben mich auf die Parkpark, natürlich ohne zu fragen ob es mich stören würde, wenn er oder sie sich eine anzündet. Natürlich stört’s mich, dewegen zieh‘ ich auch weiter und geb‘ enttäucht, genervt und Widerwillen meinen sonnigen Platz auf der Bank her.

Passivrauch: Straßencafès & Sportplätze

Im Sommer im Straßen-Café oder auf der Terrasse im Restaurant habe ich genauso Pech wie auf dem Sportplatz. Denn Kaffee und Zigaretten gehören ja angeblich zusammen, genau wie die Verdauungszigarette nach dem Essen. Schade nur, dass ich noch beim Essen bin.

Und ja, sogar auf dem Basketball-Platz wird geraucht (und zwar nicht nur Zigaretten). Es ist wirklich ein tolles Gefühl, wenn man nach Luft schnappt, weil man gerade intensiv trainiert und nur Passivrauch einatmet. Meine Lungen bedanken sich jedesmal, brennend und kratzend.

Passivrauch: im eigenen Haus

Und das schlimmste Übel vielleicht überhaupt sind die Raucher, die unter oder neben einem wohnen. Denn das bedeutet natürlich, dass bei offenem Fenster der Nebenstromrauch der Zigarette, die der oder die RaucherIn so genüßlich in ihrer Wohnung am offenem Fenster raucht, auch gleich in die eigene Wohnung zieht….sofern man nicht sofort die Fenster schließt. Aus war’s dann mit frischer Luft.

Ammoniak (147x), Pyridin (16,1x), Formaldehyd(14,8x), Chinolin (12,1x) und 3-Aminobiphenyl (10,8x) liegt im Passivrauch in höheren Konzentrationen vor, als im Hauptstromrauch.

Die Zahlen in Klammern zeigen an, um wieviel mehr erhöht der Stoff im Passivrauch ist! Krass oder? (Artikel “involuntary smoking“)

Ja, das ist Wien auch. Ein Wien was viele hinnehmen, weil’s halt das Reich der Raucher ist. Er gehört zum gemütlichen Leben dazu. Ein Reich der Raucher, in der sich viele Raucher ihrer Freiheit bedroht fühlen, kommt auch nur das Wort „Nichtraucherschutz“ auf, in der viele Raucher nicht verstehen oder einsehen wollen, dass Nichtraucher doch tatsächlich von Passivrauch belästigt werden und eine Stadt in der die Gesundheit der Bevölkerung jeden Tag erneut auf’s Spiel gesetzt wird.

Als ob wir nicht schon genug Probleme mit unserer Luft haben. Denn über Feinstaubproblem redet ja auch keiner. Das Thema Plastik in der Luft will ich erst gar nicht anschneiden. Lieber mehr Menschen dazu zu motivieren, auf’s Rad zu schwingen, ihrer Gesundheit wegen. Am besten gleich neben oder im Straßenverkehr, damit sie erst richtig die dreckige Luft einatmen können. Und somit haben wir dann alle eine schwarze Lunge.

14.000 Österreicher sterben pro Jahr an den Folgen des Rauchens. Knapp 1.000 von ihnen sind Passivraucher.“

Quelle: ORF

Denn mal ganz ehrlich gesagt steigen nur selten Autofahrer vom Auto auf’s Radl um. Es sind doch eher die Öffi-Nutzer, die bei Schönwetter die Stadt auf’m Radl zu genießen wissen, obwohl sich die meisten dem Feinstaubproblem nicht bewusst sind.

Das sorgt natürlich weiterhin für einen Anstieg an Herz-Kreislauferkrankungen und Asthma-Anfällen, so haben unsere Ärzte wenigstens etwas zu tun und unterstützen weiterhin die Gesundheit der Bürger. Aber das ist natürlich ein Thema für ein anders Mal, obwohl wir es ja eigentlich auch eher unter den Teppich kehren wollen, denn da liegt’s am besten.
Okay, ich will ja nicht nur sudan/meckern……

 

Lösungen zum Passivrauch

Lösungen gibt’s natürlich einige. Eine „schlampige Umsetzung“ des Nichtraucherschutzes ist natürlich keine Lösung. Aber man will es ja jedem Recht machen – dafür, lt. vieler Meinungen, sind die Österreicher ja auch bekannt.

Dass einige Raucher aber vielleicht eine straffere Umsetzung befürwörten würden (wenn sie’s auch laut nicht zugeben wollen) hat noch kaum jemand in Betracht gezogen.

Aber seien wir mal ehrlich, will jemand wirklich aufhören, dann ist das schon ziemlich schwierig. Man ist  überall der Verlockung ausgesetzt. Und noch schwieriger wird’s wenn auch noch fast jeder im Freundeskreis raucht. Jedenfalls kenne ich einige Menschen, für die genau das das Problem ist.

Andere Lösungen für den erhöhten Schutz von Nicht-Rauchern gibt’s natürlich auch:

1.

Da Raucher nicht nur ein Sicherheitsrisiko in Wohnhäusern darstellen, auf Grund z.B. erhöhter Brandgefahr, sondern auch die Qualität der Wohnräume immens verschlechtern (immerhin setzt sich ja der Rauch in den Wänden fest) sollten Raucher nur in für Raucher vorgesehenen Wohnhäusern leben dürfen.

Für diejenigen, die nicht rauchen wollen (und viele Raucher rauchen ja auch nicht in ihren eigenen 4 Wänden, weil sie den Geruch nicht mögen) ist dies optimal, um das Rauchen zu erschweren

2.

Rauchen auf und um Sportplätze sowie Parkanlagen, außer speziell für Raucher vorgesehen, sollte verboten werden. Immerhin halten sich Kinder und Jugendliche ja auch auf diesen öffentlichen Plätzen auf und sollten nicht zum Rauchen annimiert werden. Zumal würde dies auch den Straßen-und Parkreinigungseinsatz verringern und die Umwelt stärken, da die Zigarettenstümmel nicht länger im Gras enden würden.

3.

Spezielle Raucherecken für die Bim- und Bushaltestellen, weiter entfernt von der normalen Haltestelle. Und kein Rauchen in Straßencafès oder Restaurants, in denen Essen serviert wird, außer es ist speziell als Raucherlokal gekennzeichnet.

4.

Rauchfreie Eingangsbereiche in öffentlichen Gebäuden. Das ist gang und gebe in anderen Länder und ergibt natürlich völligen Sinn aber mit „Sinn ergeben“, da habert’s ja a bissl im Lande Österreich’s, das ja dafür bekannt ist, dass es etwa 20 Jahre hinter dem Rest der entwickelten Welt, wie ein kleiner Träumer, dahertrottelt.

Und nein, ich bin nicht Anti-Österreich. Ganz im Gegenteil, ich finde dieses Land wunderschön….halt nur nicht den immer noch fehlenden Nichtraucher-Schutz. Daher der wahrscheinlich eher sarkastisch gehaltene Artikel.


Fazit:

Lösungen gibt’s viele. Aber dazu müsste man ja die Gesundheit und Lebensqualität der Nichtraucher unterstützen wollen…..aber das tut ja kaum einer. Denn zum einen zahlen die Nichtraucher ja keine Tabaksteuer (und was würde Österreich tun ohne die € 1,9 Mrd) und zum anderen sind die Leute, die darüber entscheiden könnten ja (fast) alle Raucher, denen die Freiheit, Lebensqualität und Gesundheit der Nichtraucher in dieser Hinsicht egal ist, denn die Gemütlichkeit und eigenen Bedürfnisse zählen.

 

Und witzig wird’s erst wenn das Rauchen als eine Sünde dargestellt wird, die mit anderen, wie z.B. zu dick sein, zu viel Süßes zu essen oder zu viel Computer spielen gleichgesetzt wird. „Wie haben eben alle unsere Laster“, hört man oft. Stimmt, nur im keinen der Laster schadet man einer anderen Person direkt. Und darum geht’s.

 

Mehr zum Thema Passivrauch und welche schädlichen Stoffe eigentlich in ihm stecken erfahrt ihr im Artikel, Raucher, Nicht-Raucher, Passivrauch.

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