Vitamin D & E: krebserregend oder doch gesund?

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sind ein eher interessantes Thema. Ein Thema, das auch regelmäßig in Gesprächen mit Freunden aufkommt, denn wir wollen alle zu gern glauben, dass NEM uns jünger und energetischer fühlen lassen, unsere Haut und Haare strahlen lassen und unsere Gesundheit unterstützen.

Nahrungsergänzungsmittel unterstützen unsere Gesundheit

– oder doch nicht?

Sei es durch „Panik“-machung mancher Gesundheitsnachrichten oder überzeugender Werbung oder das Bedürfnis, die eigene Gesundheit unterstützen oder einseitige Ernährungsweisen und stressige Lebensweisen widergutmachen zu wollen, viele von uns nehmen NEM, wie z.B. Vitamin D, B, Magnesium oder Kalzium regelmäßig ein.

Denn Vitamine und Mineralien unterstützen ja unsere Gesundheit. Und gesund wollen wir doch alle sein, oder?

Vielleicht liegt der Grund, dass wir NEM kaufen auch daran, dass wir nicht wirklich wissen, welche Vitamine und Mineralien doch eigentlich in den Lebensmitteln, die wir zu uns nehmen stecken. Es steht ja auch fast nirgends.

Vielleicht liegt’s auch daran, wie Paul Bocuse einst sagte,

 

Viele Menschen haben das Essen verlernt. Sie können nur noch schlucken.

 

Wobei er natürlich eher von der Art des Essens geredet hat; dennoch passend.

Jedenfalls, wenn’s um NEM geht, schauen viele von uns der Einnahme eher positiv entgegen.

Wir glauben oftmals auch, wenn nichts nützt schadet es wenigstens nicht oder aber auch, mehr hilft mehr. Beides allerdings FALSCH.

Ich erinnere mich noch an ein Meeting in der Früh. Eine Kollegin von mir gab eine Brausetablette nach der anderen, erst Magnesium, dann Kalzium, dann Vitamin C und noch etwas anderes in ihr Glas Wasser. Da sie wahrscheinlich meinen verblüfften Gesichtsausdruck sah, fügte sie kleinlaut hinzu, „mein Frühstück. Ich brauch die Energie“.

Eigentlich hatte ich das Bedürfnis ihr zu sagen, dass uns Vitamine eigentlich keine Energie per se geben, aber hab’s dann doch gelassen.

Ein Glas Milch und ein Vollkornbrötchen belegt mit Avocado, Ei oder Lachs und etwas Obst oder Joghurt wären womöglich bessere Alternativen gewesen, aber vielleicht hatte sie dazu ja keine Zeit.

 

Interessanter Weise, wenn’s um NEM geht, ist der Verkauf von Multivitamin-Präparaten leicht gesunken, während der Verkauf von Einzel-Präparaten leicht gestiegen ist (Quelle: Euromonitor). Sollten hier die Alarmglocken klingeln?

Einzelpräparate statt Multivitamine

Woran mag das wohl liegen? Dass die Schönheits-, Gesundheits- und Nachrichtenmagazine sich immer nur auf Einzelvitamine fokussieren? Damit lässt sich natürlich auch mehr Geld verdienen! (Oder aber daran, dass Multivitamin NEM doch nichts nützen?)

Denn wenn wir hören, dass die Mehrheit der Bevölkerung unter Vitamin D Mangel leidet, und Vitamin D nicht nur äußerst wichtig für unsere Herzgesundheit ist, sondern auch Depression lindern und Krebs vorbeugen kann, wollen wir natürlich sicher gehen, dass wir genügend von dem schützenden Vitamin in uns haben.

Also greifen viele von uns zu einem Vitamin D Präparat, am besten hochdosiert. Zumal die hochdosierten Präparate ja im Online Handel auch noch preisgünstiger sind.

 

Nahrungsergänzungsmittel

mit Einzelpräparaten etwaige Mängel beheben

 

In Europa werden pro Jahr etwa 6 Mrd Euro für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben. In Deutschland werden pro Jahr etwa 4 Mrd Euro erwirtschaftet (Handelsblatt).

Und während es einfach ist, z.B. eine B- Vitamin Pille zu schlucken, um unseren Tagesbedarf an allen B -Vitaminen zu decken, ist es schon etwas erschwerlicher, dieses mit Lebensmitteln zu tun. Glauben wir zumindest. Denn es ist nicht unmöglich, vor allem wenn man sich vielfältig und gesund ernährt und weiß, worin denn eigentlich die Vitamine enthalten sind.

(Aber, einseitige Ernährung, persönliche Ernährungspräferenzen oder Hipp-Diäten können es erschweren und sogar einen Vitamin- und Mineralmangel begünstigen aber auch hier gibt’s Alternativen zu NEM.)

Aber dafür braucht es natürlich eine kleine Lektüre in gesunder Ernährung (Medien haben uns mit Sicherheit verwirrt!) oder aber eine Kennzeichnung auf den Lebensmittelpackungen. Das würde vielen von uns die Angst nehmen, dass wir unter etwaige Mängel leiden und zugleich unser Gesundheitswissen erhöhen.

 

Aber okay. Was gibt’s noch zu beachten zum Thema NEM?

Viele von uns vergessen: ein hochdosiertes Einzelpräparat, wie z.B. Vitamin E ist künstlich hergestellt und gleicht nicht dem Vitamin E, dass wir z.B. in fettigem Fisch oder Nüssen finden. Zudem enthalten Fisch und Nüsse noch weitere Vitamine und Mineralien, die die Aufnahme z.B. von Vitamin E begünstigen, so etwa Fett, denn Vitamin E ist ein fettlösliches* Vitamin und benötigt Fett zur optimalen Aufnahme.

Zudem enthalten viele Nährungsergänzungsmittel Zusatzstoffe. Brausetabletten enthalten z.B. Süßstoffe, Pillen enthalten Verdickungsmittel oder Füllstoffe.

*Es gibt 4 fettlösliche Vitamine: A, D, E,K

Aber lass und einmal schauen, was denn die Wissenschaft zu einzelnen Vitaminen sagt.

Heute geht’s um 2 Vitamine, die häufig als NEM eingenommen werden: Vitamin D und E.

Nahrungsergänzungsmittel – was sagt die Wissenschaft?

NEM können eine abwechslungsreiche Ernährung nicht ersetzen. Sie gleichen daher auch Ernährungsmängel, die durch eine ungesunde, einseitige Ernährung entstehen können, nicht aus.“ (AGES)

 

Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel

Vitamin D, vor allem in den grauen Wintermonaten ist in aller Munde.

Du fühlst sich schlapp und energielos, dir fehlt Vitamin D. Du willst Krebs vorbeugen? Nimm Vitamin D.

Und ja, es stimmt, unter Einfluss von UV-Strahlung, also der lieben Sonne, die sich ja leider in den grauen, kalten Wintermonaten eher selten blicken lässt, kann unsere Haut das Vitamin bilden. (körpereigene Biosynthesis)

Nun, man könnte sagen, im Winter ist die Sonnen- und somit UV-Einstrahlung eher schwach, also benötigt jeder Vitamin D. Aber das stimmt so nicht, denn im Sommer verbringen wir hoffentlich viel Zeit in der Sonne und tanken genug Vitamin D, um unsere Speicher zu füllen.

Wenn wir uns regelmäßig in der Sonne aufhalten, die erste Zeit nicht mit Sonnenblock eingecremt, dann kann unsere Haut Vitamin D bilden. Und tun wir das täglich für mindestens 20 Minuten, dann reicht der Vorrat an Vitamin D für mindestens 2 Monate. Verbringen wir mehr Zeit in der Sonne, z.B. an den Wochenenden, dann reichen die Speicher für über 4 Monate. Das heißt, mit unserem Lebensstil können wir Vitamin D Mangel vorbeugen!

Nicht vergessen,

(Fettlösliche) Vitamine und Mineralien werden im Körper gespeichert und je nach Bedarf „freigesetzt“. D.h., wenn jemand täglich ein hochdosiertes Vitamin- oder Mineralpräparat zu sich nimmt, dann kann ein zu viel gesundheitliche Folgen haben. 

 

Vitamin D Bedarf durch die Sonne decken?

Die meisten von uns können ihren Vitamin D Bedarf durch körpereigene Biosynthesis decken. Dafür müssen wir uns eben nur draußen in der Natur aufhalten! Und ja, dunkelhäutige Personen benötigen MEHR Zeit in der Sonne, als hell-häutige.

 

 

Und nein, es ist nicht immer nützlich von Kopf bis Fuß mit Sonnencreme eingeschmiert zu sein, denn das hindert die „Vitamin D Aufnahme“.

 

Am besten die Früh- oder Spätnachmittagsonne, in Maßen, ohne Schutz genießen oder aber kurzweilig die Mittagssonne. Für längere Zeit in der Mittagssonne bitte nach einigen Minuten (~15 Min je nach Hauttyp) Sonneschutz auftragen, um vor Sonnenbrand zu schützen.

Ich persönlich trag‘ im Sommer  immer Sonnenschutz im Gesicht auf und lass andere Körperteile für eine Zeit unbedeckt (und trage dann Schutz auf, je nachdem wie lange ich mich in der Sonne aufhalte). Im Winter (außer wenn ich Ski fahre oder in den Bergen wandern gehe) trage ich keinen Schutz auf.

 

Besteht in der Bevölkerung ein Vitamin D Mangel?

Schwer zu sagen, da es kaum Studien gibt. Man geht davon aus, dass ein Teil der Bevölkerung unter Mangel leidet. Schließlich verbringen ja viele tagtäglich im Büro und sogar die Wochenenden in der Wohnung. Dieses Verhalten kann natürlich einen Vitamin D Mangel begünstigen.

Dieses Verhalten unterstützt allerdings auch keinen gesunden, balancierten Lebensstil, denn Bewegung im Freien sollte schon Teil unseres Lebens sein.

Deshalb, eine bessere Lösung, anstatt NEM zu nehmen, wäre natürlich sich in der Sonne aufzuhalten: lange Spaziergänge oder Radtouren am Wochenende, Fitnesstraining im Freien anstatt im Fitnessstudio, Mittagspausen im Park, Spaziergänge nach der Arbeit, u.s.w.

Aber, am besten testen lassen, via Bluttest. Denn dann weißt du genau, ob bei dir ein Mangel vorliegt und ob du etwas mehr Zeit in der Sonne verbringen und Vitamin D-reichere Lebensmittel in deine Ernährung einbauen solltest!

Laut dem Robert Koch Institut, sind 30,2 % der Erwachsenen (29,7 % der Frauen, 30,8 % der Männer) in Deutschland mangelhaft mit Vitamin D versorgt.

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Wer sollte Vitamin D via NEM zu sich nehmen?

Säuglinge und ältere Personen oder die, in denen ein Mangel festgestellt wurde und denen es nicht möglich ist, genügend Zeit in der Sonne zu verbringen.

 

Vitamin D Überversorgung – ein zu viel des Guten

Vitamin D supplementDie Datenlage um Vitamin D ist mangelhaft.

Aber wenn ich höre, dass ein Freund von mir, der in Afghanistan lebt von seinem Apotheker eine Packung Vitamin D mit 200,000 IE pro Pille erhält und davon täglich eine nehmen soll, bleibt mir die Sprache weg. Denn so etwas ist unverantwortlich!

Es gibt Studien die vor einem „zu viel“ warnen. Erhöhte Vitamin D Aufnahme, entweder durch regelmäßige Einnahme von hochdosierten Präparaten oder durch die Einnahme von angemessener Dosis wenn kein Vitamin D Mangel vorliegt kann zu Hyperkalzämie führen.

 

Erhöhte Aufnahme von Vitamin D > 4,000 IEs kann Hyperkalzämie aber auch Steine, z.B. Harnsteine begünstigen.

 

Hyperkalzämie ist eine verstärkte Aufnahme von Kalzium.

Nun, ihr solltet wissen, dass Vitamin D die Aufnahme von Kalzium fördert – was gut ist. Das ist auch ein Grund, warum oftmals Milch mit Vitamin D angereichert wird. (Und seit kurzem gibt es ja endlich auch Vitamin D angereicherte Milch in Wien zu kaufen, von der Marke Nöm.)

 

Hyperkalzämie durch hochdosierte Vitamin D Präparate:

Nun, man könnte meinen, Kalzium ist gut für die Knochen und eine verstärkte Aufnahme unterstützt unsere Knochen, aber so einfach ist es dann nun doch nicht.

Ganz im Gegenteil, hier liegt das größte Problem mit hochdosiertem Vitamin D.

Zum einen wird unser Darm, der ja das Kalzium aufnehmen muss, verstärkt belastet, zum anderen werden unsere Knochen in diesem Fall durch erhöhtes Kalzium nicht aufgebaut, sondern abgebaut. D.h., das Gleichgewicht zwischen Knochenabbau und Knochenaufbau ist gestört, auf Grund der erhöhten Kalziumwerte.

Über einen längeren Zeitraum belastet eine Hyperkalzämie*, verursacht z.B. bei Vitamin D Präparaten mit über 4.000 IEs,  unsere Organe und führt zu einer Vielzahl an Symptomen, wie z.B. Müdigkeit, Übelkeit, Gewichtsverlust  und/oder Schlafstörung und kann das Risiko für Erkrankungen von Muskel, Herz- und Kreislauf, Nieren und im Magen-Darm Bereich erhöhen.

*Hyperkalzämie ist allerdings auch von Proteinverbindungen, d.h. Albuminwert abhängig.

 

Frauen sind 3-4 Mal häufiger von einer Hyperkalzämie betroffen.

 

Jedoch ist sich die Forschung im Moment noch nicht einig (Zittermann, 2017 & 2018 spricht dafür, Muñoz-Aguirre et al. dagegen).

Aber, es ist nicht nur Vitamin D…denn viele von uns nehmen ja mehrere NEM ein, d.h. wenn man zu Vitamin D greift, dann nimmt man vielleicht auch Kalzium oder Vitamin C oder andere NEM zu sich. Deshalb, wie immer, die Masse macht das Gift.

Im schlimmsten Fall könnte es zu einer Vergiftung kommen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht dabei schon von einem Wert von 250 µg pro Tag, über einen längeren Zeitraum, aus.

 

Vitamin D – täglich empfohlene Aufnahmemenge für Menschen über 65 Jahre, wenn man zu NEM greift: 25 µg (~1000 IE) pro Tag,

was übrigens auch durch Nahrung (fettiger Fisch, Öl, Eier, Käse) UND was viel wichtiger ist, regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft und in der Sonne gedeckt werden kann!

 

Ob Vitamin D wirklich vor Krebs schützt ist fraglich, vor allem wenn die Aufnahme durch NEM und nicht die körpereigene Synthese durch die Sonne passiert (Ergebnisse einer Meta-Analyse).

Während Vitamin D eventuell gegen Blasen- oder Lungenkrebs schützen kann, kann es allerdings die Entstehung andere Krebsarten z.B. Pankreas, Haut und Prostata fördern (Vojdeman et al.).

Zumal sich die tägliche empfohlene Aufnahme von Vitamin D auf die Knochengesundheit speziell für ältere Menschen (über 65 Jahre) bezieht (Mondul et al.). Zu wenig aussagekräftige Forschungsergebnisse liegen für die Beziehung zwischen Vitamin D und unterschiedlichen Krebsarten oder betroffenen Organen  sowie durch Vitamin D beeinflusste genetische Veränderungen vor.

 

Wissenschaftlich gemessene Vorteile on Vitamin D:

  • Ältere Menschen profitieren (800-1.000 IE, ~ 25 µg pro Tag), da es vor Knochenbrüchen schützen & das Risiko hinzufallen reduzieren kann (Quelle: Bischoff-Ferrari et al.)
  • Vitamin D wird häufig zur Reduzierung von Parathormon gewählt (Nebenschilddrüsenhormon) und ist, laut Studien mit 1.000 IE pro Tag effektiv in übergewichtigen Kindern (Quelle: Abrams et al.)

Mein Tipp zu Vitamin D:

  • Es gibt 2 Arten an Vitamin D:
    • D2 ist in pflanzlichen und
    • D3 in tierischen Produkten (unser Körper kann aber D2 in D3 umwandeln)
  • unser Körper nimmt den Großteil von Vitamin D durch körpereigene Synthesis durch die Sonneneinstrahlung auf, d.h. die Sonne ist wichtiger als das Vitamin D in den Lebensmitteln
    • wir benötigen mehr Lebensmittel mit Vitamin D um den gleichen Vitamin D Gehalt zu bekommen, den wir durch die Sonne bekommen
  • Vitamin D in Lebensmitteln: Tagesziel etwa 35-50 µg, wenn wir nicht in der Sonne sind (in Kombination mit der Sonne brauchen wir natürlich weniger)
    • pflanzlich: in 100 g
    • Avocado stecken 200 IE (5 µg)
    • Pilze stecken 80 IE (2 µg)
    • tierisch: in 100 g
    • geräucherter Aal sind 3600 IE (90 µg)
    • Lachs befinden sich 640 IE (16  µg)
    • Tunfisch stecken 180 IE (4,5 µg)
    • 1 Ei enthält etwa 116 IE (2,9 µg)
  • –> Ausschau halten für angereicherte Lebensmittel, wie Milch, Brotaufstrich, Müsli, etc.
  • Da die Sonne das beste Mittel ist, um ausreichend Vitamin D zu tanken, sollten wir wirklich versuchen, Spaziergänge in der Sonne, auch im Winter, in den Alltag einzubauen. Daher, wenn möglich, regelmäßig Mittagspause draußen, nicht im Büro verbringen.
  • In den Wintermonaten, ein Vitamin D3 Präparat mit max. 700 – 1.000 IE pro Tag besser jeden zweiten Tag einnehmen, wenn man nicht die Möglichkeit hat, die Wochenenden in der Sonne, z.B. beim Skifahren oder Wandern zu genießen.

 

Der tägliche Bedarf an Vitamin D kann mit Nahrungsmitteln UND regelmäßigen Spaziergängen oder Trainingseinheiten an der frischen Luft sowie Zeit in der Sonne leicht gedeckt werden.

Finger weg von hochdosierten Vitamin D NEM, außer ein Mangel wurde festgestellt, bis wir wirklich wissen, welchen Einfluss sie  auf unsere Gesundheit haben!

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Vitamin E als Nahrungsergänzungsmittel

Vitamin E, ein Radikalfänger, ein Antioxidant, das die Haut strahlen lässt.

Obwohl es keine exakten Angaben über den täglichen Vitamin-E-Bedarf gibt, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Aufnahme von 11 bis 15 mg pro Tag als Richtwert (das sind etwa 16,4 IE – 22,4 IE).

Da es nicht vom Körper selbst gebildet werden kann, muss Vitamin E  durch die Nahrung aufgenommen werden. Vitamin E steckt hauptsächlich in pflanzlichen Produkten, wie Ölen, Nüssen und auch Getreide, sowie in Eiern.

 

Besteht in der Bevölkerung ein Vitamin E Mangel?

Ob tatsächlich ein Mangel an Vitamin E in der Bevölkerung vorliegt, ist fraglich (Quelle: DGE).

1 Kapsel = 40 mg an Vitamin E. Das sind > 300 Prozent der empfohl. Tagesdosis!

Weil die Aufnahme von Vitamin E relativ leicht durch Nahrung gedeckt ist, ist die zusätzliche Aufnahme von Vitamin E als NEM nicht nötig. Trotzdem greifen viele Menschen zu Vitamin E Pillen, oftmals sogar hochdosiert.  Und das, obwohl Vitamin E, genau wie D, ein fettlösliches Vitamin ist und im Körper gespeichert wird.

Tägliche Vitamin E Aufnahme: leicht gedeckt durch Nahrung:

  • 10 – 30 ml Pflanzenöl, wie Weizenkeim-, Sonnenblumen-, oder Distelöl
  • 50 g Sonnenblumenkerne, Mandeln oder Hazelnüsse
  • 1 Portion Weizenkeime
  • oder 100 g Tomaten zu Mittag, 300 g Wirsingkohl zu Abend und 100 g Himbeeren Zwischendurch

–> decken 100% unseres Tagesbedarfs an Vitamin E

Dennoch greifen viele Menschen zu Vitamin E Präparaten. Schließlich wird Vitamin E häufig als Schönheitsvitamin bezeichnet, das unsere Haut jung und unsere Haare strahlen lässt. Zudem soll es angeblich unsere Organe und Gehirngesundheit sowie vor Krebs schützen.

Hört sich gut an, nur leider fehlen überzeugende Forschungsergebnisse!

 

Vitamin E Überversorgung – ein zu viel des Guten?

Im Gegensatz zu Vitamin D & A wird Vitamin E oftmals als relativ untoxisch bezeichnet, was eigentlich nicht stimmt, denn Risiken bestehen. 

 

Vitamin E in Form von NEM reduziert anscheinend nicht das Risiko an Herzkrankheiten zu leiden (Quelle: Traber, Lonn et al., Brown et al.) und kann sogar in Frauen nach den Wechseljahren das Risiko von frühzeitigem Tod erhöhen (Quelle: Waters et al.).

Während einige Forschungsergebnisse auf keinen Schaden durch erhöhte Vitamin E Aufnahme hindeuten, zeigen andere Ergebnisse, wie z.B. die CARET Studie, dass eine erhöhte Aufnahme durch Vitamin E NEM z.B. Prostatekrebs, vor allem wenn ein Selenium-Mangel vorliegt oder aber Lungenkrebs, bei erhöhter Vitamin A Aufnahme (insbesondere bei Rauchern), begünstigen kann.

Einige Studien kamen zu der Schlussfolgerung, dass hohe Dosen an Vitamin E nicht das Risiko für Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen reduzieren (Lee et al., Buring, Lonn et al.). Ganz im Gegenteil, bei mehr als 400 IE pro Tag nahm das Risiko sowohl für Krebs als auch Herz-Kreislauferkrankungen zu (Miller et al., Bjelakovic et al.). Und laut diesen Forschungsergebnissen schützt Vitamin E auch nicht vor Stroke.

Zusätzlich kann eine regelmäßig erhöhte Aufnahme auch noch unsere Schilddrüse beeinflussen. Natürlich zu Gunsten der Pharmaindustrie, da dies medikamentös ausgeglichen werden müsste.

Laut Cochrane Review,

Vorteile von Vitamin E als NEM sind fraglich.

 

Einige Vorteile von Vitamin E für spezielle Gruppen existieren:

In Menschen mit Diabetes kann Vitamin E das Risiko für Herz-kreislauferkrankungen reduzieren (Asleh et al., Blum et al.).

In männlichen Rauchern kann Vitamin E das Risiko für Prostatakrebs reduzieren (Kirsh et al., Heinonen et al.).

 

Mein Tipp zu Vitamin E:

anstatt Vitamin E als NEM lieber Nüsse, Eier, gesunde Öle und ab und an fettigen Fisch essen. Diese tun unserer Gesundheit wesentlich besser, als ein NEM!

 

FAZIT:

Im günstigsten Fall sind die meisten NEM nutzlos, im schlimmsten Fall schaden NEM.

 

Schließlich, um den Vitamin D und E Bedarf zu decken, braucht man keine NEM, die mit Risiken und leeren Versprechen dafür aber hohen Kosten und Zusatzstoffen kommen.  Ganz im Gegenteil, Gesundheit kommt nicht im Pillenformat, auch wenn wir es gern so hätten.

 

Aber wie kann man Vitamin D Mangel beheben oder eine ausreichende Aufnahme begünstigen?

  • viel Zeit in der Sonne verbringen
  • Vitamin D reiche Lebensmittel, wie fettigen Fisch (wilder Lachs, Forelle, Hering), Käse, Eier und Pilze Teil einer gesunden Ernährung machen
  • auf Vitamin D angereicherte Lebensmittel, wie Milch oder Müsli zurückgreifen, daher Nährwertkennzeichnungen lesen

Wie kann man sicher gehen, dass man genügend Vitamin E zu sich nimmt?

  • Vitamin E reiche Lebensmittel, wie Nüsse und Öle, Eier, Getreide und ab und an Avocados und Mangos Teil einer gesunden Ernährung machen

 

Allerdings, wenn

  • ein Vitamin Defizit medizinisch festgestellt wurde und
  • eine Ernährungs- und Lebensstilumstellung nicht zur gewünschten Speicherauffüllung führt

–> dann bitte nur kurzzeitig ein NEM mit maximal 100 % der empfohl. Tagesdosis einnehmen.

Und auch wenn’s gut klingen mag und man unter dem guten Glaube ist, dass eine erhöhte Aufnahme einen raschere Heilung bringt, gibt es doch genügend Forschungsergebnisse, die einen misstrauisch machen sollten.

Natürlich ist es einem selbst überlassen. Ich frage mich nur, ob ich wirklich mein Geld für etwas ausgeben möchte, dass mir vielleicht eher Schaden bringt, als das es nützt. Zumal Gesundheit vom Verhalten, Lebensstil, Einstellung, Ernährung….abhängig ist.

Da nasche ich doch lieber an einer Handvoll von Nüssen, esse mein Gemüse, genieße meinen Lieblingskäse und das Frühstücksei und nehme mir die Zeit für einen Spaziergang in der Sonne – das unterstützt meine Gesundheit und Wohlbefinden deutlich mehr als ein NEM.

(Und bitte Artikel von Medien hinterfragen, deren Profit am Verkauf on NEM abhängig ist.)

Danke für’s Lesen und bitte Teilen, wenn ihr jemanden kennt, der immer zu NEM greift. Falls es Fragen oder Kommentare gibt, bitte melden.

Yvi

 

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